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SUPERillu 25/2017/S.18

 

Rum! Keine Schnapsidee

Ein wenig Karibik am Süßen See kann nicht schaden, sagte sich Gerhard Büchner und destilliert nun sein eigenes Zuckerrohrgetränk

 

 

Der Mann hat Ideen! Und er weiß auch, wie man sie umsetzt. Denn Gerhard Büchner aus Sachsen-Anhalt ist ein Tausendsassa.

Vor fünf Jahren hat der frühere Bauunternehmer aus Langenbogen am Süßen See nahe Halle von sich reden gemacht, weil er aus Malzbier einen Whisky brannte, damals den ersten, der aus Sachsen-Anhalt kam.

 

Nun hat der 65-Jährige nachgelegt. Mit Rum.

Auch der erste des Bundeslandes.

Der wird in seiner „Feindestillerie am Süßen See“ produziert. Wie kam es dazu?

Büchner, der seit 2010 im Weinbrandgeschäft ist und mehr als 35 Sorten im Angebot hat, sagt: „Dem Süßen See, unserem großen Naherholungsgebiet, fehlte es zur Sommerzeit an Karibikflair. Außerdem brauchte ich eine neue Herausforderung."

 

So lässig das dahergesagt ist, so trickreich sind Büchners Aktionen. Für den Rum hat er Zuckerrohrsaft gebraucht. Den wiederum besorgt er sich von der Insel LaReunion: „Die Insel

gehört ja zu Frankreich, deshalb kann ich alle Geschäfte wie in einem Euro-Binnenmarktverhältnis abwickeln. Das macht vieles leichter."

 

Aber immer noch kompliziert genug: „Rum muss einige Zeit in Sherry-Fässern lagern, die geben ihm den letzten Schliff im Geschmack." Aber solche Fässer sind schwer zu haben. Der Weinbrenner: „Ich

habe mir einen großen Posten in Fässern gelagerten spanischen Rotwein gekauft und Sherry selbst hergestellt." Damit hatte Büchner die richtigen Fässer und noch einen Posten in seinem Sortiment: neben Rum auch Sherry.

 

Quelle: Superillu Nr. 25 / S. 18 – 14.06.2017

 

   
 

 

     

 

         
 

Bildzeitung Halle

Gerhard Büchner aus Langenbogen hat die ersten Flaschen Single Malt abgefüllt

 

ICH BRENNE SACHSEN-ANHALTS

ERSTEN WHISKY

 

Von UWE FREITAG / Bild-Zeitung Halle 29.11.2014 – halle@bild.de

 

Langenbogen – Wer seine Augen zusammenkneift, könnte sich einreden, er blicke auf schottische Hügel.

Doch wer genau guckt, erkennt den Kerner See und in der Ferne Schloss Seeburg. Das ist die Landschaft, in der Gerhard Büchner (62) Sachsen-Anhalts ersten Whisky brennt.

 

2010 eröffnete Büchner in Langenbogen (Saalekreis) die „Feindistillerie Am Süßen See“. Außer tonnenweise Obst verbrannte er gleich im ersten Jahr auch Malz. „Ich wollte das mal probieren“, sagt Büchner. Vier Jahre später füllte der Brennmeister den ersten Whisky Sachsen-Anhalts in Flaschen.

 

Büchners Single Malt hat einen zart blumigen Charakter mit fruchtigen Aromen und einem Anklang von Honig, Vanille und Schokolade. Wem das zu kompliziert ist: Der Sachsen-Anhalt Whisky fand sofort Liebhaber. 140 Flaschen verkauft Büchner zurzeit jeden Monat.

 

Die Herstellung ist nicht einfach. Als erstes schrotet Büchner Malz. Dann erhitzt er

es. Auf 55 Grad, auf 62 Grad, schließlich auf 72 bis 75 Grad. „Damit die Verzuckerung einsetzt“, erklärt Büchner. Nach dem Destillieren muss Whisky mindestens drei Jahre in Eichenfässern reifen. Büchner schwört auf französische

Weißeiche. „Ich versuche, Fässer zu kriegen, in denen vorher Weißwein gelagert wurde“, verrät er.

 

Im ersten Jahr brannte Gerhard Büchner 600 Liter Whisky. Inzwischen sind es 2000.

 

Was fällt dabei am schwersten? „Die Warterei“, sagt Büchner. „Wer Whisky herstellen will, braucht Geduld.“

Verkauft wird der erste Whisky Sachsen-Anhalts bei „Gourmétage“ und in Hofläden am Süßen See.

 

Fotos: Uwe Köhn

 

   
 

 

     

 

         
 

Mitteldeutsche Zeitung MZ

Flüssige Naturkost kommt direkt aus der Destille
Schnaps-Seminare erweisen sich in Langenbogen als ein Besuchermagnet.
Flüssige Naturkost kommt direkt aus der Destille

 

VON RALF BÖHME, 17.05.2011

 

LANGENBOGEN/MZ
Auf eine besondere flüssige Naturkost hat sich Gerhard Büchner aus Langenbogen (Einheitsgemeinde Salzatal) spezialisiert. Der ehemalige Bauhandwerker ist nicht nur weit und breit der einzige Schnapsbrenner, sondern der gebürtige Höhnstedter verlässt sich dabei ausschließlich auf die Früchte. "Künstliche Aromen kommen mir nicht in die Flasche", so der 59-Jährige. Alles andere würde nicht zum Anspruch passen, ein Botschafter des einheimischen Obstbaus sein zu wollen.

 

Sämtliche Zutaten holt er aus den Plantagen und Gärten zwischen Halle und Eisleben. Kooperationspartner sind unter anderem der Obsthof am Süßen See in Aseleben und die Erzeugergemeinschaft Saale-Obst in Schochwitz. Außerdem können auch Kleingärtner, die wenigstens 150 Kilogramm auf den Hänger packen, ihren Hochprozentigen in dem Ein-Mann-Betrieb brennen lassen.

 

Der Ein-Mann-Betrieb destilliert erst seit gut einem Jahr diverse Obstler-Sorten. Ausrüstung und gewähltes Verfahren haben sich bewährt. Qualität bedeutet auch, dass Kerne, Blätter und Stiele vorher entfernt werden. "Sonst leidet der Geschmack." Nun aber beginnt sich die Investition des Existenzgründers in die kleine, aber feine Manufaktur langsam auszuzahlen. Beispielsweise zeigt sich das am wachsenden Interesse an Büchners Edelbrand-Seminaren an der Welle in Langenbogen. Wandergruppen, die durch die Weinberge streifen, sind genauso Gäste in der Brennerstube wie Gastronomen.

Was ihn dabei immer wieder überrascht: "Es gibt doch beträchtliche Wissenslücken, selbst bei Leuten, die beruflich am Tresen stehen." So sei dort nicht immer klar, dass es gravierende Unterscheide gibt zwischen einer industriell produzierten Spirituose und einem auf reiner Fruchtgärung beruhendem Branntwein. Als klassisches Beispiel führt Büchner dann seinen Himbeergeist an: 3,5 Liter gewinnt er aus 100 Kilogramm Früchten.

 

Oder wussten Sie schon, fragt Büchner, warum Birnen zwei, drei Tage vor der vollen Reife gepflückt werden müssen? Antwort: "Nur so lässt sich buttriger Geschmack im Destillat vermeiden."

 

Sein Wissen eignet sich Büchner vorwiegend im Selbststudium an. Fachbücher über Schnaps und dessen Herstellung füllen seine Bibliothek. Visiten in süddeutschen Manufakturen bringen ihm zusätzlichen Erkenntnisgewinn.

 

     
 

 

     

 

         
 

Mitteldeutsche Zeitung MZ

Saalekreis
Schnapsbrenner heizt ein

 

VON RALF BÖHME, 01.09.10, 18:47h, aktualisiert 01.09.10, 21:21h

 

LANGENBOGEN/MZ. 
Wer es nicht besser weiß, muss annehmen, dass die Obstbauern zwischen Halle und Eisleben nichts Hochprozentiges trinken. Weil das aber nicht so ist, stellt sich die Frage, warum bei Früchten im Überfluss hier niemand professionell einen guten Schluck brennt. "Das ist meine große Chance", glaubt der 58-jährige Gerhard Büchner. Der Mann aus Langenbogen gilt, wie die Kontrolleure des staatlichen Branntweinmonopols bestätigen, weit und breit als der erste Schnapsbrenner.

Früchte aus der Nachbarschaft
Ein Plus besitzt die neue Manufaktur im Salzatal auf alle Fälle: Die Früchte, aus denen die diversen Obstler-Sorten destilliert werden, kommen gleich aus der Nachbarschaft. Kooperationspartner sind unter anderem der Obsthof am Süßen See in Aseleben und die Erzeugergemeinschaft Saale-Obst in Schochwitz. Außerdem können auch Kleingärtner, die wenigstens 150 Kilogramm auf dem Hänger packen, dort brennen lassen. Damit am Ende auch die gewünschte Qualität in der Flasche ist, legt Büchner großen Wert auf möglichst reife, zuckerreiche und saubere Früchte.
Die Anlage, die der Existenzgründer auf seinem Grundstück an der Welle installiert hat, gehört zu den modernsten Aggregaten in diesem Format. Der Testlauf ist bereits vorbei. "Ein voller Erfolg." Büchner ist das besonders wichtig, denn Ausrüstung und Verfahren sind seine Entscheidung gewesen. "Ich habe nicht falsch gelegen", stellt er fest. Die ersten Obstler-Flaschen sollen am Wochenende beim Winzerfest in Höhnstedt angeboten werden.
Sein Wissen eignet sich der Existenzgründer im Selbststudium an. Seit drei Jahren liest der ehemalige Bauunternehmer, dessen Häuser seinen Heimatort Langenbogen mit prägen, fast nur noch Fachbücher über Schnaps und dessen Herstellung. So einfach der etwa zweieinhalbstündige Prozess auf den ersten Blick auch anmutet, gibt es laut Büchner schon beim Ansatz, in der Gärung und im Brand viele Kleinigkeiten zu beachten.

 

Raffinierte Kreationen
Ansonsten bleiben reine 83 Prozent Alkoholgehalt, die dann über weitere Verarbeitungsstufen auf ein bekömmliches Maß herabgeregelt werden, nur eine schöne Illusion. Büchner, der vor allem mit raffinierten Kreationen und Qualität punkten will, meint: "Es ist nicht damit getan, 100 Grad Celsius im Kessel zu haben." Nur wenn die Ausgangsstoffe inklusive Stärke, Wasser und Zucker optimal gemischt und gerührt sind, ausreichend lange dampfen und drei Brennstufen durchlaufen, darf sich der Maschinist am Ende über reichlich aromatischen Obstschnaps freuen.
Die Idee, eine eigene Brennerei aufzubauen, ist Büchner während eines Urlaubs auf der Schwäbischen Alb gekommen. Dort gibt es ihm zufolge in fast jedem Dorf einen kleine Brennerei mit Probierstube. "So etwas passt doch viel besser zu uns", sei sein erster Gedanke gewesen. Gesagt, getan - der ehemalige Bauunternehmer, der sein neues Geschäft nun mindestens bis zu seinem 80. Geburtstag führen will, investiert die private Altersvorsorge in das Projekt. Der Rest stammt aus verschiedenen Fördertöpfen.